Josef Speth

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Klar, schlicht und abstrakt

Ausstellung »Skulpturen« im Krankenhaus Erlenbach eröffnet - Besuch bis 5. März

Kreis Miltenberg. Nicht als Konkurrenz für »kommerzielle Galerien oder das Kulturamt in Miltenberg«, sondern als Abwechslung im Alltag sieht der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Alfred Büchler, die Ausstellung »Skulpturen«, die vor zahlreichen Besuchern am Donnerstagabend im Foyer des Erlenbacher Krankenhauses eröffnet wurde. Die Werke von Dr. Helmut Brendel und Josef Speth sind noch bis zum 5.März zu sehen.
Büchler freute sich über den guten Besuch bei der ersten Vernissage nach zweijähriger Umbauphase, die am 16. Mai mit einem Tag der offenen Tür offiziell beendet werden soll. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Christine und Ferenc Schneider. Das Ehepaar tritt unter dem Namen »Duo Pentaton« seit langem mit lateinamerikanischer Musik auf und begeisterte die Zuhörer mit mitreißenden Rhythmen aus Bolivien, Kuba und Mexiko, die sie mit Gitarre, Charango und Cuatro intonierten.


Josef Speth (links) und Dr. Helmut Brendel vor ihren Werken im Foyer des Erlenbacher Kreiskrankenhauses.

Fruchtbare Reduktion auf das Wesentliche, Verzicht auf Schwulst und Verzierung charakterisieren die ausgestellten Werke. Mit den Worten Goethes ausgedrückt: »Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen. Verziertes aber spricht der Menge zu.« Josef Speth fasst seinen Beruf als Lehrer und den als Künstler gleichermaßen als Berufung auf, geht mit überbordender Phantasie und anscheinend unversiegbarer Kreativität ans Werk und spiegelt in seinen Kunstobjekten aus Holz, Ton und Metall Gefühle, Gestimmtheiten und Lebensphasen der Menschen in konzentrierter und aussagekräftiger Weise. Werke mit Titeln wie »Im Gleichgewicht«, »Balanceakt« oder »Aufbruch« verkörpern das labile Gleichgewicht.

Besonders hervorzuheben sind in der Ausstellung Modelle eines Objektes für die Kolpingfamilie Schneeberg mit dem Titel »Werden und Vergehen«, an dem sich auch Speths Arbeiten ohne moralischen Zeigefinger und ohne penetrante Deutlichkeit zeigen, Arbeiten mit Verständlichkeit ohne Populismus, unpathetische Botschaften ohne Verzicht auf künstlerische Qualität und mit dem Angebot an jeden Einzelnen, seine ganz individuelle Interpretation zu wagen.
Dr. Helmut Brendel, gebürtiger Amorbacher und seit Jahren Chirurg am Krankenhaus Erlenbach, gießt in handwerklich anspruchsvollen Prozessen Grundgestimmtheiten des Menschen in künstlerische Formen.
Seine Fichtenholzskulpturen und Metallobjekte tragen Namen wie »Stille«, »Kontroverse«, »Traumhülle« oder »Carnevale« und spiegeln mit ihren klaren Linien und ihren intensiven Formen eine ganz eigene Handschrift des Künstlers; auch wenn sich Brendel, der fruchtbar über seine Kunst reflektiert, Anregungen von Künstlern wie Alberto Giacometti oder Chilida geholt hat: Wer es schafft, Anregungen ganz produktiv umzusetzen, seine eigene Handschrift zu finden und einen eigenen Weg zu gehen, hat genauso eine beeindruckende Leistung vollbracht.
Der Weg Brendels zeigt eine Entwicklung zu immer abstrakteren Formen, zu immer stärkerer Reduktion und macht gespannt auf den weiteren künstlerischen Weg.
Die Ausstellung im Foyer des Kreiskrankenhauses Erlenbach ist zugleich auch Verkaufsausstellung, die erste der beiden Künstler aus Schneeberg und Amorbach - mit niedrig kalkulierten Preisen.

Heinz Linduschka   [Quelle: Bote vom Untermain, 09. Februar 2004]

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