Josef Speths Werkstatt - Galerie

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Mit Kunst im Knast selbstbewusster werden

Kunstnetz: Josef Speth leitet Workshop in Heilbronn

Heilbronn/Schneeberg. Eine Woche in der Justizvollzugsanstalt hat der Schneeberger Josef Speth vom Kunstnetz Kreis Miltenberg verbracht: Er leitete in der vergangenen Woche in der JVA Heilbronn einen Workshop, in dem die Teilnehmer nach eigenen Vorstellungen und Skizzen mit dem Werkstoff Feinstyropor Skulpturen und Reliefs herstellten.

Der Schneeberger Josef Speth leitete in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn einen Workshop, in dem die Teilnehmer Skulpturen aus Feinstyropor herstellten. Privat
Der Kontakt entstand über den Förderverein "Kunst im Knast" und seinem Mitglied Engelbert Winkler, gebürtiger Schneeberger und Justizvollzugsbeamter in Heilbronn arbeitet, sowie über das Kunstnetz.

Der Förderverein will den Gefangenen in Neigungsgruppen die Chance zur künstlerischen Betätigung zu bieten. Hauptziel ist es, Aktivitäten zu wecken und durch das Schaffen eigener Kunstwerke das Selbstbewusstsein der Insassen zu stärken. Externe Kursleiter, die auch mithelfen, Ausstellungen zu organisieren, stellen den Kontakt zur Außenwelt her.

Speth berichtet fast euphorisch von seinen Erfahrungen, die er bei diesem Workshop machte: "Trotz der Sicherheitsvorkehrungen empfand ich die Arbeitsatmosphäre entspannt bis angenehm, die Teilnehmer arbeiteten hochkonzentriert, unterbrochen nur durch Fragen zur Arbeit und gelegentlich auch darüber hinaus." Für ihn besonders eindrucksvoll: Wie die einen ganz spontan, ganz intuitiv an die Aufgabe herangingen, die anderen dagegen ganz gezielt mit vorgefertigten Skizzen. Ein Teilnehmer aus der Gruppe der "Spontanen" schuf eine Skulptur, die nicht nur Josef Speth intensiv an Arbeiten von Hans Arp erinnerte, obwohl der Betreffende ganz sicher nichts von Kunstgeschichte wusste und nach eigener Aussagen "so gar keinen Plan" hatte.

Die Modelle werden nun in der Eisengießerei Röth in Mosbach-Neckarelz im Verfahren der "Verlorenen Form" gegossen. Firmenchefin Röth-Ehrmann übernahm zugunsten des Fördervereins die Kosten.

Diese Arbeiten kommen zusammen mit Werken aus Malkursen, Fotogruppen und der Arbeitsgemeinschaft Keramik/Holz in eine Ausstellung, die am 16. Oktober im Rathaus der Stadt Heilbronn eröffnet wird. Der Erlös fließt in die Beschaffung von Materialien für die vielfältigen künstlerischen Aktivitäten der JVA Heilbronn zurück.

hlin
 

[Quelle: Main-Netz Main-Echo Onlinedienst 12.09.2009]

 

 

Aus krimineller Energie wird Kunst

Von Helmut Buchholz

Porträtköpfe, von Gefangenen geformt: In der Kunst drücken sich Häftlinge aus, beschäftigen sich mit ihren Taten und sich selbst.







Foto:
Helmut Buchholz

Heilbronn - Ungewöhnlicher kann eine Ausstellung kaum sein. Die Künstler, deren Werke im Heilbronner Rathaus zu sehen sind, bleiben aus Datenschutzgründen anonym. Niemand bekommt die rund 25 Bildhauer, Fotografen und Maler zu Gesicht, denn sie sitzen hinter Gittern. Dafür sprechen nun ihre 32 Plastiken, mehr als 60 Zeichnungen und Fotos bei der Schau "Kunst im Knast" für sich. Am Freitagabend war Vernissage.

Kerngeschäft Kunst im Knast? Der Leiter der Heilbronner Justizvollzugsanstalt (JVA), Ulrich Schlicher, hat die erstaunte Frage schon oft gehört. Er wird nicht müde, Menschen zu erklären, was das eine mit am anderen zu tun hat. Viele meinen, "Kunst gehört nicht zu unserem um Kerngeschäft".

Dabei eigne sich diese Beschäftigung bestens, damit Gefangene sich mit ihren Taten auseinandersetzen. Schon im Jahr 1999 entstand das Bedürfnis, insbesondere für die Gruppe der Sexual- und Gewaltverbrecher, weitere Behandlungsmöglichkeiten zu den klassischen Therapieformen zu finden.

Der Heilbronner Künstler Malte Wiethüchter traf sich damals mit seinen eingesperrten Schülern im Knast. Sie schufen dort "eine Insel" wie er heute sagt. Eine Insel der freien Künste hinter Gefängnismauern.

Auch er muss öfter dieselbe Fragen beantworten: "Ist das nicht gefährlich im Gefängnis?" Überhaupt nicht. "Die Arbeit dort unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der in Freiheit." Es gehe "im künstlerischen Vollzug" darum, sich und anderen in dem schöpferischen Akt näher zu kommen. Lars Rinklin, der Justizvollzugsbeamte, der in seiner Freizeit die Fotogruppe in der JVA leitet, nennt ein weiteres Motiv: "Die Gefangenen lernen, kriminelle Energie in etwas anders umzuwandeln." Die Kunst bietet eine Alternative. Sie sei somit echte Resozialisierungsarbeit.

Zwanglos Seit mehr als drei Jahren kümmert sich nun der gemeinnützige Verein "Kunst im Knast" um die Aktivitäten. Anwälte, Staatsanwälte und Privatpersonen haben ihn gegründet und fördern die Schaffenskraft hinter schwedischen Gardinen. Denn, wie der Kunstpädagoge Josef Speth mit dem Beuys-Wort in seiner Einführung in das Werk sagte: "In jedem Menschen steckt ein Künstler." Und wer weiß, vielleicht fördert ja gerade der Gegensatz zwischen der "Repression des Ortes und der Zwanglosigkeit der Kunst", wie Kulturbürgermeister Harry Mergel formulierte, die Fantasie.

Die Schau ist bis 13. November im Heilbronner Rathaus zu sehen.

[Quelle: Heilbronner Stimme 19.10.2009]

 

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