Josef Speth

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Kunstnetz des
Landkreises Miltenberg

 

 

»Kinder haben ein Recht auf Kunst und Spiel«
Josef Speth weckt Kreativität beim Nachwuchs - Markenzeichen: Jäger- und Sammlermentalität

Kreis Miltenberg. Wer es nicht besser wüsste, könnte glauben, der Horizont von Josef Speth sei ein wenig eingeschränkt, immerhin wurde er vor 49 Jahren in Schneeberg geboren und hat sein ganzes Leben, mit Ausnahme des Grundschulstudiums in Würzburg und einem Jahr als Lehrer in der Rhön, in seinem Geburtsort gelebt. Seit mehr als 25 Jahren unterrichtet er an der Grundschule Amorbach, und wer mit ihm spricht, ahnt, warum er es dort so lange ausgehalten hat.

Beruf und Berufung

Sein Haus mag ein Grund dafür sein. Er lebt mitten im Grünen, hat seine Werkstatt in der ehemaligen Wagnerei seines Großvaters. In den Räumen des malerischen Fachwerkgebäudes fallen ein Baumskelett und die zahllosen Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien auf. Über einem seiner Äste hängt ein Tuch vom evangelischen Kirchentag mit dem Motto »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. Der Eindruck scheinbarer Enge hat sich schnell verflüchtigt.  

Um den Menschen geht es dem Lehrer und Künstler Josef Speth, wobei die Trennung zwischen den Berufen - besser »Berufungen« - in seinem Fall unsinnig ist. Für Speth ist der Umgang mit den Kindern genauso Berufung wie sein Leben mit der Kunst. 

Dass er als Lehrer nach eigenen Vorstellungen im künstlerischen Bereich arbeiten darf, nennt er einen Glücksfall. »Kinder haben ein Recht auf Kunst und Spiel« - diesen Satz, den er in einer Zeitschrift für Eltern und Lehrer gefunden hat, ist längst zu seiner Maxime geworden. In der Volkshochschule, wo er ebenfalls Kinder unterrichtet, hat er von traditioneller Gartenkeramik bis hin zu Kreativkursen beinahe alles gelehrt. Das Faszinierende ist für Speth, dass bei der Arbeit mit Kindern die Unbefangenheit und Spontaneität vorherrscht, die den Erwachsenen meist verloren gegangen ist. So entsteht eine Fülle an Objekten von solcher Qualität, die es verbietet, von »Kinderkunst« zu sprechen. Jedenfalls dann, wenn dies abwertend gemeint wäre. Das hat inzwischen auch eine breitere Öffentlichkeit erkannt. Ausstellungen der Kinderbilder im Amorbacher Finanzamt, Krippenausstellungen in Schneeberg, Graffitis an einer Stützmauer, die berühmten Karl-Valentin-Figuren, Skulpturen nach Anregungen von Niki de Saint Phalle im Amorbacher Seegarten, für die es auch den ersten Preis bei der Verleihung des Jugendkulturpreises im Landkreises gab - all das sind Beispiele für die große Resonanz, die Speth für seine Arbeit findet.

Schnell wird klar, dass es ihm nicht um Selbstdarstellung geht. Er will die Kreativität wecken und fördern, die in den Kindern steckt, und gibt ihnen Gelegenheit, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, was ganz wichtig ist, wie jeder weiß, der etwas von Menschen versteht. Dass es immer wieder Rückmeldungen gibt, dass ehemalige Schüler nach vielen Jahren kommen, um ihn um Rat zu fragen, ist wohl die schönste Bestätigung, die auch ein bescheidener Mensch braucht.

Die Zeit für sein eigenes künstlerisches Schaffen muss sich Speth abknapsen. Was er an den Kindern besonders schätzt, gilt auch für ihn: »Ich bin nicht festgelegt, ich will immer drauf los spielen, immer etwas ausprobieren.«

Gespür für Ästhetik

Eine »Jäger- und Sammlermentalität« bescheinigt er sich selbst, und wer sieht, wie er beim Holzmachen interessante Stücke aussortiert und beim Abbruch von Häusern Balkenstücke aufbewahrt, von denen er glaubt, sie noch brauchen zu können, weiß, was er damit meint. Auch die Ergebnisse dieser »Sammlermentalität«, gepaart mit Fantasie, Gespür für Ästhetik und handwerklichem Geschick, sind in seiner Werkstatt zu bewundern. Aus zwei Balkenstücken sind ohne grobe Eingriffe in das Material »Mann und Frau« entstanden, haben sich Figurengruppen entwickelt, die Eindrücke wie »Gemeinsamkeit«, »Isolation«, »Aufbruch«, »Resignation« und »Konflikt« vermitteln.

Ausstellung im Januar

Gerade um solche Aussagen über menschliche Grundhaltungen und Gefühle wird es auch im Januar gehen, wenn er mit Dr. Helmut Brendel im Landratsamt Miltenberg unter dem Titel »Stationen« ausstellt. Dass Künstler wie Henry Moore und Alberto Giacometti zu seinen Vorbildern zählen, ist so manchen seiner auf das Wesentliche reduzierten Holzskulpturen und Keramiken anzumerken. Nie aber wirken seine Arbeiten »abgekupfert«. Speths Handschrift ist klar zu spüren.

Zu seinem Markenzeichen haben sich die »Klettermännchen« aus Ton entwickelt. Festlegen darf man den Künstler darauf aber nicht. »Wen die Kunst einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los«, hat die Galeristin Maria Kreuzer einmal gesagt, und Speth hat diesen Satz für sich verinnerlicht. Kunst ist sein Leben, und wenn man es schafft, nach einer arbeitsreichen Woche in der künstlerischen Arbeit mit Kindern noch Kraft für den Alltag zu tanken, dann erscheint das als ideale »Zweierbeziehung«. 

Heinz Linduschka

 

[Quelle: Bote vom Untermain, 27. September 2002]

 

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